Auszüge aus der
Chronik
des MTV Jahn Schladen e.V.
von 1895


Vorwort
Vereinsführung im Wandel der Zeit


Seit dem Gründungstag am 13. Oktober 1895 wird nach den Chronikaussagen der MTV Jahn Schladen von den Mitgliedern gewählter Vorständen geführt und Vereinsarbeit geleistet. Der Vorstand setzte sich meistens aus dem 1. und 2. Vorsitzenden, Kassenwart, Oberturnwart und Schriftwart zusammen. Die Amtsinhaber bestimmten im Einklang mit den Beschlüssen der jährlich stattfindenden Jahreshauptversammlung die Vereinspolitik und sorgten für deren Umsetzung. Anfangs wurden diese Posten natürlich nur mit Männern besetzt, der Verein nannte sich ja auch Männerturnverein und stand dem männlichen Geschlecht auch nur offen. Erst seit 1921 hielten die Frauen Einzug in den Verein und es wurde eine Frauenriege gegründet.

Das traditionelle Frauenbild dieser Zeit war das eines "zarten emotionalen Wesens". Die Gymnastik im Frauensport sollte durch "anmutige, graziöse Bewegungen die Körperanmut fördern, die Gebärfähigkeit steigern und einen Ausgleich zu Berufschäden schaffen" (aus "Geschichte der Leibesübungen").

 

 

Frauen-/Kinder-Gruppe 1926
auf dem Hof von Landwirt Steckhan. Auf der Rückseite des Fotos stehen folgende Namen der Reihe nach: O. Sasse, H. Hohmann, G. Voss, M. Dasecke, H. Seibichler, L. Wolf, A. Dzaebel, unbekannt, unbekannt, E. Vollguth, unbekannt, L. Ebeling, L. Köhler und E. Seibichler

 

 

 

In der ersten Jahrhunderthälfte wurde geturnt, Fußball und Handball gespielt sowie Leichtathletik betrieben.

Der Mitgliederstand hielt sich auf die 47 Gründungsmitglieder aufbauend um 100 und später 200 Vereinsmitglieder und schnellte etwas von 1970 bis 2001 auf etwa 1100 hoch. Der Verein müsste normalerweise in Frauenturnverein umbenannt werden, denn den ca. 600 weiblichen stehen ca. 500 männliche Mitglieder gegenüber. Natürlich hielten die Damen auch Einzug in den Vorstand und beeinflussten positiv initiativ die Vereinsentwicklung. Zur Zeit sind von fünf engeren Vorstandstandsmitgliedern zwei Frauen.

Die Vereinsvorsitzenden und Vorstandsmitglieder standen dem Verein in der Regel über lange Jahre zur Verfügung. Eines ist bei allen gleich gewesen:
Sie investierten viel ehrenamtliches Engagement, um den MTV mit Leben zu erfüllen und die gestellten Aufgaben im sportlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich bewältigen zu können. Natürlich gelang dieses in den einzelnen Epochen mit unterschiedlichem Erfolg. In den Krisenzeiten während der beiden Weltkriege kam die Vorstandsarbeit und das Vereinsleben fast zum Erliegen, um sich danach wieder zur vollen Blüte zu entfalten.

Auf große sportliche Erfolge im Breiten und Leistungssport kann der MTV zu allen Zeiten zurückblicken.

 

Die 1.Vorsitzenden des MTV

  

1895-1897       H. Hackemesser

  1897-1922           A. Cassebaum

      1922-1926                      H. Ziegler

  1926-1934            H. Cassebaum

       1934-1936                          G. Bock

     1936-1938                       H.Schlue

1938-1945    Bürgermeister Ewe

     1945-1950                         H.Bothe

    1950-1962                      A. Weigel

    1962-1972                      W. Schulz

    1972-1976                       O. Vorlob

          1976-2010                        R. Allerheilige

     2010- 2016                      A. Leeker

 

Fotografiert Weihnachten 1925. "Unserer lieben Turnerjugend gewidmet" v.l.n.r.: ALBERT SASSE (Oberturnwart), W. ULRICH (Gauvertreter), HEINRICH ZIEGLER (1.Vorsitzender), AUG. CASSEBAUM (Ehrenpräsident), HEINRICH CASSEBAUM (1. Schriftwart) AUG: DASECKE (Gaugeschäftsführer).
Fotograf: Atelier Kirchhoff/Vienenburg

 

In den letzten fünfundzwanzig Jahren entwickelte sich der MTV zu einem Großverein mit den entsprechenden Änderungen in der Vereins- und Vorstandsarbeit. Anfang der 70er Jahre wurde in einer aus Gemeinnützigkeitsgründen neu gegebenen Vereinssatzung festgelegt, dass die Vereinspolitik in Arbeitsteilung vom
a) Geschäftsführenden Vorstand (2 Personen: 1. Vorsitzender und 2. Vorsitzender)
b) Engerer Vorstand (6 Personen: a) und Kassenwart, Oberturnwart, Schriftwart, Jugendwart)
c) Erweiterter Vorstand (ca. 40 Personen: a) und b) Spartenleiter, Übungsleiter, Beisitzer)
unter der Aufsicht der jährlichen Jahreshauptversammlung nach demokratischen Grundsätzen erledigt wird.

 

Der engere Vorstand 1995
v.l.n.r. Wilfied Thiele-Hinz, Jutta Mikolayczyk, Rolf Allerheiligen, Brigitte Allerheiligen, Siegfried Berkau, Es fehlt Marianne Soika

 

Im Wandel der Zeit gab sich der Verein 1999 eine neue Satzung, die nun zeitgemäß sein sollte. Ein Jahr später (2000) verabschiedeten die Mitglieder des MTV erstmalig in der Geschichte des Vereines eine Geschäftsordnung, in der u.a. die Aufgabenverteilungen und die Zuständigkeiten genau geregelt sind.
Nun bestand der
a) geschäftsführende Vorstand aus insgesamt drei Personen, nämlich dem 1.Vorsitzenden, dem 2. Vorsitzenden und dem Schatzmeister,
b) engere Vorstand aus fünf Personen, nämlich a) und dem Schriftwart und dem Sportwart,
c) Gesamtvorstand aus ca. fünfzig Personen, nämlich a) und b) und dem Mitgliederwart, den Abteilungsleitern, den Übungsleitern, den Beisitzern, den Ehrenmitgliedern und weiteren Beisitzern mit besonderen Aufgaben.
Das oberste Vereinsorgan ist nun die Mitgliederversammlung.

 

Der Vorstand von 1997
v.l.: Jutta Mikolayczik (Schatzmeisterin), Brigitte Allerheiligen (Schriftführerin), Rolf Allerheiligen (1. Vorsitzender), Marianne Soika (Jugendwart),Bernward Köbbel (2. Vorsitzender), es fehlt Peter Müller (Sportwart)

 

Die Entwicklung und sportlichen Erfolge des Vereines sprechen für sich. Der MTV hat sich zu einem sehr erfolgreichen, großen, finanziell gesunden Verein entwickelt. Dieses wurde sicherlich nicht unwesentlich durch effektive Vorstandsarbeit gelenkt in Verbindung mit der großzügigen Unterstützung von den Institutionen der Gemeinde, Samtgemeinde Schladen und Landkreis Wolfenbüttel, Gönnern und Sponsoren. Nun heißt es nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern nach neuen Zielen zu streben, denn Stillstand bedeutet gleich Rückschritt.

Bei einem so großen Gremium wie dem Gesamtvorstand mit ca. 50 Mitgliedern werden natürlich die anstehenden Probleme und Entscheidungen unterschiedlich gesehen und beurteilt. Bisher ist es immer gelungen, auch nach sehr lebhaften Diskussionen einen Konsens zu finden und in die Tat umzusetzen. Die Umsetzung fällt um so leichter, da der Beschluss von 50 Entscheidungsträgern getroffen, getragen und in die Abteilungen vertreten wird. Der Verein hat bisher mit diesem etwas schwierigeren Führungsstil gute Erfahrungen gesammelt.

Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf Kontinuität des Trainings und der Betreuung der einzelnen Gruppen und Mannschaften in den 12 Sparten durch qualifizierte Übungsleiter.
Zur Zeit sind im MTV 1 hauptamtliche Sportlehrerin, 1 teilzeitbeschäftigte Sportlehrerin, 11 lizensierte Übungsleiter, 13 ehrenamtliche Übungsleiter und ein ganzer Stab von Betreuern und Helfern tätig.

Selbstverständlich hat die EDV inzwischen in der Vereinsverwaltung Einzug gehalten. Auch ist der Verein stolzer Besitzer eines Kleinbusses zum Transport unserer Kinder und Jugendlichen.
Ein Umdenkungsprozess hat auch in der Schaffung von vereinseigenen Bauten stattgefunden. Beteiligte sich der Verein beim Bau der Doppelturnhallen in Schladen und Hornburg noch beratend, so legte die Tennisabteilung 1983/84 bei der Erstellung der Tennisanlage mit 3 Tennisplätzen selbst Hand an.
1988/89 finanzierte und baute die Abteilung eigenständig ein Tennisheim.

1997 stellten die Mitglieder des Vereines mit großzügiger Unterstützung durch die Samtgemeinde Schladen, den Landkreis Wolfenbüttel und den Landessportbund Niedersachsen ein Vereinsheim, das Haus des Sports und der Begegnung, fertig. Bei dem Bau der Kunststoffbahn der Werla-Schule ist der Verein wiederum beratend tätig gewesen.

 

 

Am Bau des Vereinsheimes beteiligte Mitglieder bei der Einweihung des Hauses des Sport und der Begegnung des MTV Jahn Schladen.
v.l.: R. Allerheiligen, R. Kleinert, D. Kays, K. Kleinert, S. Berkau, W. Voß, G. Hecker, J. Strube, H. Brandes, U. Kohlenberg, U. Jäger, B. Köbbel

 

Die Weichen für eine zukünftige erfolgreiche Vereinsentwicklung sind gestellt. Es muss aber weiterhin von allen hart gearbeitet werden, um das erworbene Niveau zu halten und zu verbessern - auf ein modernes Vereinsmanagement muss besonderer Wert gelegt werden. Die nachfolgende Generation ist gefordert, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und nach neuen Zielen zu streben.


Rolf Allerheiligen, 1. Vorsitzender

  


 
Die Chronik


Seit nun 112 Jahren bietet der MTV den Bürgern der Gemeinde Schladen Möglichkeiten, in ihrer Freizeit eine sportliche Betätigung wahrzunehmen und so einen Ausgleich zum Berufsleben zu schaffen.
Bevor nun der Bericht über die Gründung und Entwicklung des MTV folgt, ein paar Gedanken vorweg.
Schladen und andere Nordharzer Gemeinden sind schon immer, aber im 19. Jahrhundert noch stärker, durch ländlichen Charakter geprägt. Die Gemeinden haben kein eigenes kulturelles Leben aufzuweisen, vielmehr wird es durch äußere Einflüsse gelenkt; im wesentlichen der Kirche. Aber mit der Etablierung des Handwerk und der Industrie im Nordharzer Vorland lässt der Einfluss der Kirche nach und es entstehen in den Gemeinden Vereine, die das kulturelle Leben mitbestimmen wollen.
Zuerst schließen sich Menschen im Gesang zusammen, den Gesangvereinen, die, wenn sie heute noch bestehen, oft mehr als 100 Jahre alt sind. Die meisten Turnvereine entstehen wohl im 19. Jahrhundert in Anlehnung an die Bewegung Friedrich Ludwig Jahns (Turnvater Jahn), der den Begriff "Turnen" um 1810 prägte und darunter alle Leibesübungen und ein Mittel zur "disziplinierten Erziehung" der Jugend allgemein verstanden wissen wollte.
So finden sich, angeregt durch diese Bewegung, auch in Schladen auf vorherige Ankündigung hin, 47 Schladener Männer in der Gastwirtschaft des Hotels "Stadt Hannover" (alte Weltkugel) zusammen, um einen Turnverein Schladen zu gründen. Nach einem Vortrag des Initiators Herrn Hackemesser über die Gründung eines Turnvereins, treten alle 47 Anwesenden dem neugegründeten Turnverein Schladen bei.
Zum 1. Vorsitzenden des MTV wird Herr Hackemesser gewählt. Nun sind seit der Gründung 112 Jahre vergangen, in denen der Verein sowohl sportliche als auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen durchgemacht hat.

Wir hoffen, dass der Leser die einzelnen Entwicklungsstufen beim Lesen dieses Berichtes nachvollziehen kann. Liest man alle vorliegenden Protokolle der Vorstandssitzungen, von der Gründerversammlung bis 1995 - es sind dies 691 Versammlungen, geordnet und gebunden in 6 Bänden, wobei Abteilungsversammlungen und mehrer Sitzungen des engeren Vorstandes nicht berücksichtigt sind - stößt man auf unzählige Namen und Begebenheiten, die alle zu nennen und aufzuführen diesen Rückblick sprengen würde.

 

Protokoll der Gründungsversammlung

 

Es wurden von nun an monatliche Versammlungen abgehalten. Auf die erste Monatsversammlung im Dez. 1895 soll auszugsweise näher eingegangen werden, zeigt sie doch, mit welchen Schwierigkeiten der Verein in der Anlauf-phase zu kämpfen hatte. Auf dieser Versammlung wird beschlossen, dass das Turnen in Ermangelung einer Turnhalle auf dem Saal des Hotels "Stadt Hannover" durchgeführt werden soll. Bei den Übungsabenden auf dem Saal gelten beim Turnen strenge Regeln. Wer in der Turnriege spricht oder lacht, musste 5 Pfennige Strafe entrichten.

 

Musterriege des MTV

 

Auch der Beitritt in den Verein ist weit schwieriger als heute; ein Ehrengericht, dem 5 Turner angehören, trifft eine Vorentscheidung über die Neuaufnahme in den Verein, letztendlich entscheidet die Monatsversammlung. Ohne Stimmenmehrheit ist ein Eintritt nicht möglich. Auf derselben Versammlung wird der Vorstand ermächtigt, die vom Turnverein Börßum angebotenen Turngeräte zu kaufen und, falls erforderlich, neue zu beschaffen, um die ab Jan. 1896 voll anlaufenden Turnabende durchführen zu können. Trotz dieser schwierigen Anfangsphase war der Verein bereits im Juli 1897 so leistungsstark, dass er in Schladen ein Gauturnfest ausrichten konnte.
Mit großem Eifer und regem Interesse werden die Vorbereitungen und Vorgaben des Gaues zu diesem Gauturnfest vorangetrieben und umgesetzt.

Laut Beschluss des Gauturnrates vom 31. Jan. 1897 in Harlingerode wird das diesjährige Gauturnfest nach Schladen verlegt. Es wird über den Verlauf des Festes folgendes festgelegt:

1. Einzelwettturnen
2. Riegenwettturnen
3. Festzug
4. Schauturnen
5. Preisverteilung
6. Festball

Für das Einzelwettturnen werden 8 Preise ausgesetzt, bestehend aus einem Diplom und Eichenkranz. Für das Riegenturnen wird durch den Vertreter des hiesigen Vereins noch ein Ehrenpreis hinzugefügt, wobei zur Bedingung gemacht wird, dass eine Riege aus mindestens sechs Turnern und einem Vorturner bestehen muss. Wettübungen für das Einzelturnen werden vom Gauturnwart vorgeschrieben, während die Reigenübungen als Kür von den Vereinen selbst ausgesucht werden können. Der 25. Juli 1897, ein Freitag, wird vom gastgebenden Verein festgelegt. Die Einladungen zum Gauturnfest erfolgen durch den Gastgebenden Verein 8 Wochen vorher. Feinheiten für das Programm des Festtages obliegen dem auszurichtenden Verein, ebenso Einnahmen und Ausgaben. Es wird beschlossen, den Gauturntag nicht im Turnlokal "Stadt Hannover" sondern im Schützenhaus auf dem Schützenplatz von Schladen durchzuführen. Aus diesem Grund muss das Schützenhaus angemietet werden. Jedes aktive Mitglied hat eine Mark Festbeitrag zu zahlen (entspricht wohl dem heutigen Startgeld). Dafür wird ihm, wie jedem passiven Mitglied, eine Eintrittskarte überreicht. Der Festtag soll folgendes Programm erhalten:
25. Juli 1897, 05.30 Uhr Weckruf - bis 10.00 Uhr Empfang der Wettturner und des Gauturnwartes - 10.00 - 12.00 Uhr Wettturnen - 12.00 - 14.00 Uhr Empfang der auswärtigen Vereine - 14.30 Uhr Antreten zum Festzug, Bekanntgabe der Riegen, anschließend Festzug die Wettkämpfe werden reibungslos abgewickelt, und aufgrund der guten Leistungen aller Wettkämpfer sieht sich der Gauturnwart veranlasst, die Preise von 8 auf 12 zu erhöhen. Außerdem werden noch 4 "lobende Anerkennungen ausgesprochen".
Der MTV konnte bei diesem Gauturnfest einen respektablen Erfolg verbuchen. Vier seiner Wettturner platzieren sich unter den ersten 12 von 402 Wettturnern: F. Haag, W. Ulrich, W. Natje, Frd. Großhennig, wobei F. Haag den 1. Platz belegt. Für einen Verein, der erst im 2. Jahr besteht, ein durchschlagender Erfolg.
1897 findet ein Wechsel in der Vereinsführung statt. Herr A. Cassebaum löst Herrn Hackemesser als 1. Vorsitzenden ab und wird dieses am 25 Jahre bekleiden. Weitere langjährige Vorsitzende des MTV waren auch A. Weigel und W. Schulz. Unter dem derzeitigen Vorsitzenden R. Allerheiligen, der dieses Amt seit nunmehr 25 Jahren ausübt, und der die Geschicke des MTV führt und lenkt, hat der Verein einen beachtlichen Aufschwung erfahren. Unter seiner Leitung entwickelte sich der MTV ständig aufwärts. Vor der Übernahme des 1. Vorsitzes durch Herrn Cassebaum fällt noch eine besonders wichtige Entscheidung: Auf der Monatsversammlung im Febr. 1897 wird der Antrag gestellt, eine Unfallversicherung für die aktiven Turner abzuschließen, denn der Turnbetrieb wird mit großem Eifer und Fleiß durchgeführt und Verletzungen sind nicht auszuschließen. Dieser Eifer und Fleiß zeigt seine Früchte beim Gauturnfest am 25. Juni 1899 in Immenrode. Von 11 gemeldeten Wettkämpfern des MTV erringen nicht nur alle einen Preis, sogar Platz 1-4 wird von ihnen belegt (Ulrich, Biermann, Wolf und Hüter). Da sich jetzt ein immer größeres Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft entwickelt hat, wird der Wunsch nach einem äußeren Symbol dieser Zusammengehörigkeit stärker und geht am 23. Juli 1899 durch die Weihe einer Vereinsfahne in Er-füllung. Zitat: "Nachdem in der außerordentlichen Generalversammlung am 23. Jan. 1899 die Beschaffung einer Vereinsfahne beschlossen wird, beauftragt man, nach gründlicher Prüfung, die Hildesheimer Fahnenfabrik A. Dreyer mit der Fertigung der Fahne. Die Fabrik liefert sie zum Preis von 320,- Mark. Die Abnahme der Fahne erfolgt durch die Fahnenkommission und die Weihe wird auf Beschluss der Versammlung im Mai am 22. und 23. Juli, im Rahmen eines Turnfestes auf dem Schützenplatz stattfinden. An der Feier am 22. Juli 1899 nehmen, unter großer Beteiligung der Bevölkerung, auch die beiden öffentlichen Gesangvereine "Harmonie" und "Maschinenbauer-Gesangverein" in starker Besetzung teil. Der Zapfenstreich, der sich unter den Klängen der Greyeschen Musikkapelle sowie der gesamten Spielleute des Vereins durch den Ort zum Schützenplatz bewegt, ist von schönstem Wetter begleitet. Nach dem Festumzug wird von 16 Mitgliedern des Vereins ein von Turnwart Ulrich einstudierter Fahnenreigen aufgeführt, dem sich ein gemütlicher Kommers anschließt. Leider türmen sich gegen Mitternacht schwere Gewitterwolken auf, die sich auch bald in voller Heftigkeit entladen und die Hoffnung auf ein schönes Wetter bei der Hauptfeier zerstören, da sich anschließend ein anhaltender Regen einstellt. Obwohl die Sonne am anderen Morgen wieder lacht, ziehen die Gewitterwolken doch bald erneut herauf, die sich bis zum Nachmittag auch nicht wieder verziehen. Die Mitglieder des Vereins, die keine Mühe, Arbeit und Kosten scheuten, haben einen herrlichen Festwagen hergerichtet, dem die Teilnehmer großen Beifall zollen. Der 23 Juli wird durch Weckruf eingeleitet. Von 11.00-14.00 Uhr findet der Empfang der auswärtigen Vereine statt. Punkt 15.00 Uhr treten die Teilnehmer zur feierlichen Enthüllung der Fahnde zusammen, die von dem verehrten, passiven Mitglied, Herrn Apotheker Munscheid, vorge-nommen wird. Der Vorsitzende, Herr A. Cassebaum, begrüßt hierauf, im Namen des MTV Jahn, die Erschienenen und heißt sie herzlich willkommen. Herr Munscheid gibt in kurzer Rede einen klaren Überblick über den Verein. Kernige Worte sind es dann, die Herr Munscheid an die Mitglieder selbst richtet und sie zur gemeinsamen Arbeit, Ausdauer und Kameradschaft auffordert. Mit dem auf die Fahne eingesticktem Motto: "Ein treues Volk voll Einigkeit und Kraft, sei der Wahlspruch der Deutschen Turnerschaft" überreicht Herr Munscheid die Fahne im Namen der Fahnenkommission dem Fahnenträger des Vereins, Turn-bruder Fritz Haag, und bringt ein dreifaches "Gut Heil" auf seine Majestät dem Kaiser Wilhelm II. aus. Die Anwesenden stimmen begeistert ein. Der MTV entwickelt sich weiter aufwärts. Aus seinen Reihen werden Vertreter in den Gauturntag bzw. Kreisturntag gewählt. Im Jahre 1904 taucht auf Schladener Initiative hin ein neuer Begriff bei den Wettkämpfen auf: "Volkstümliches Wettturnen". Bei diesem Wettkampf wird ein leichtathletischer Dreikampf angeboten: Laufen, Springen, Werfen bzw. Stoßen oder Gewichtheben. Diese Bewegungsabläufe sind den Menschen weit vertrauter als Übungen an den Geräten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Wettkämpfe immer größerer Beliebtheit bei den Turnern erfreuen und später unter dem Namen "Nordharzer Volkswettturnen" durchgeführt und immer von einem Nordharzer Verein ausgerichtet werden muss. Bei der Einladung von Vereinen orientierte sich der MTV mehr nach Osten und Südosten im Nordharzer Vorland; und so tauchten Namen von Orten auf, die uns nach dem 2. Weltkrieg mehr durch Übersichtstafeln an der Demarkationslinie zwischen West.- und Ostdeutschland bekannt waren und für uns erst wieder nach der Wiedervereinigung Deutschlands am 03.10.1989 von Bedeutung sind (Abbenrode, Ilsenburg, Osterwieck, Blankenburg, Wernigerode, Lüttgenrode etc.). So kommt es auch zu neuen Kontakten zwischen dem MTV und Vereinen der ehemaligen DDR, die bereits um 1900 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges bestanden haben. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges geht es weiter voran mit dem MTV. Neben der aktiven, turnerischen Tätigkeit pflegen die Mitglieder auch gesellschaftliche Ereignisse. So nimmt man an Feierlichkeiten ortsansässiger und benachbarter Vereine - auch heut noch - teil, wobei bei Umzügen das Tragen der Vereinsfahne als Ehrenamt betrachtet wird. Sein erstes Fest feiert der MTV am 20.091896 als 1. Stiftungsfest. Es schließen sich in einem nichtperiodischem Wechsel an: Wintervergnügen mit Theateraufführungen, wie z.B. "Jette vor Gericht", " Die beiden noblen Festbrüder", " Stubenarrest usw., und Turneinlagen mit Stab oder an den Geräten oder Marmorbilder (Bau menschlicher Pyramiden).

 

Menschliche Pyramide

 

Des weiteren finden statt: Ostervergnügen, Herbstvergnügen, Silvesterball, Maskerade und Verabschiedung der Rekruten im Herbst mit Klavier, Geige und Flöte. Vielleicht ist es die Uraufführung des "Schladener Marsches" gewesen, der von Pfannschmidt komponiert und von ihm und Sellig am 10jährigen Stiftungsfest mit vorgetragen wird. Diese beiden Schladener Musiker werden häufig engagiert. Selbst im MTV macht man Musik. 1908 wird ein Spielmannszug ins Leben gerufen, der zwei Jahrzehnte bestehen bleibt. Verein und Vereinsführer spendierten auch einmal ein Fass Bier. Man gibt eine Spende für ein Denkmal zur Wiedererrichtung des Deutschen Kaiserreiches in Höhe von 20,- Mark oder für den Bau einer Turnhalle des Deutschen Turnvereins in Wels von 3.- Mark. Außerdem werden auf einer Monatssitzung Nordmähren verkauft. Interessant ist auch zu erfahren, dass mehrere volkstümliche Wettkämpfe auf dem Buchladen mit den Disziplinen 75 Pfund Gewichtheben, Hoch- und Weisprung, Kugelstoßen und 150m Lauf bei einem Startgeld von 75 Pfennigen zur Austragung kommen (erstmals 1907). 1908 findet man die erste Anregung zum Bau einer Turnhalle. Aber auch überall dort, wo Menschen zusammenleben, verläuft nicht alles in Harmonie. So wird häufig das Verhalten der Zöglinge (Jugendliche bis zum vollendeten 17. Lebensjahr) gerügt. Es wird darauf geachtet, dass diese bei Feierlichkeiten um 24.00 Uhr nach Hause geschickt werden, oder, wenn sie an Vorstandssitzungen teilnehmen, diese um 22.00 Uhr verlassen, damit sie am folgenden Tag pünktlich und ausgeschlafen bei ihrem Lehrherren erscheinen können. Es kommt sogar zu Ausschlüssen, nicht nur von Zöglingen, sondern auch von Erwachsenen, wegen ungebührlichen Verhaltens oder nicht geleisteter Beiträge. Eine ausgesprochene Bestrafung wird auch einmal aufgehoben, die man ausgesprochen hatte, als man sich bei einer Kaffee-tafel am 11.11.1903 mit Zuckerstücken bewirft und dadurch Fußboden, Tische, Stühle und Kleidung verklebt sind. Leibesübungen in freier Natur auszuüben führt dazu, nach einem geeignetem Turnplatz Ausschau zu halten, zumal sich eine Spielvereinigung im Verein bildet, in der Fußball, Schlagball und Faustball gespielt werden, die auf dem vorgeschlagenen Spielplatz am Steinberg (80x45) und auf dem Schützenplatz nicht möglich sind. Verhandelt wird ab 09.08.1911 mit dem zuständigen Regierungspräsidenten in Hildesheim. Erst am 22.07.1921 - bedingt durch den 1. Weltkrieg - wird den Turnern ein Gelände für einen Turn- und Spielplatz im Hammelkring beim Rettungshaus (heute Grotjahn-Stiftung) zugewiesen, das einige Jahre später benutzt werden kann. Die Schatten des 1. Weltkrieges werfen ihre Schatten voraus. Viele Turner werden zum Wehrdienst eingezogen, geraten in Gefangenschaft bzw. kehren aus dem Krieg nicht wieder zurück (Mamuske, Gerecke, Fricke, Hartmann, Koch). Nach dem Krieg beginnt für den Verein ein neuer Abschnitt. Er muss auf seine Mitgliederzahl bedacht sein. Und so wird im Jahre 1919 zunächst eine Damenabteilung im Turnen, anschließend eine Schülerabteilung gegründet. Hinzu zum Turnen kommt noch die Aufnahme des Spielbetriebs der Mannschaftssportarten. Des weiteren wird das gemeinsame Wandern neu entdeckt, und so entsteht die Götzwanderung, die über Jahrzehnte hinweg, bis Anfang der 80er Jahre, in der Himmelfahrtswanderung gepflegt wird, die allerdings in den letzten Jahren keinen Anklang mehr fanden. Dass die Beteiligung dafür so rapide zurück ging, liegt wohl an den vielfältigen Freizeitangeboten und dem Trend zurück in die Familie. 1986 muss der MTV eine geplante Himmelfahrtswanderung absetzen, da die Grasflächen durch erhöhte radio-aktive Strahlung (Reaktorunfall in Tschernobyl) belastet sind. Der Vorstand lässt sich jedoch nicht entmutigen und plant für 1987 eine Busfahrt mit Rund-wanderung um den Tankumsee. Von den damals ca. 800 Mitgliedern des Vereins melden sich aber nur ca. 10 an, so dass die Veranstaltung nicht durch-geführt wird. In diesem Zusammenhang wird beschlossen, die Himmelfahrtswanderung nicht mehr anzubieten. Eine traditionsreiche Veranstaltung des MTV ist somit leider zunächst einmal ausgestorben.

Wie schon erwähnt, entsteht im Jahre 1919, und zwar am 6. Juni, eine Damenturnriege; für einen Männerturnverein zu dieser Zeit etwas sehr Ungewöhnliches. 16 Damen finden sich nach öffentlicher Bekanntmachung zur Gründung dieser Damenabteilung bereit:

Else Müller, Marie Sulka, Else Klenke, Emma Deneke, Helene Müller, Martha Ahlburg, Emma Lohmann, Elli Oppermann, Hertha Becker, Hedwig Astner, Irmgard Werner, Hermine Degenhardt, Grethe Wolf, Else Plünnecke, Lieschen Wolf, Anna Bostelmann

 

Aufnahme von 1930

 

Mit der Gründung der Damenabteilung ist wohl auch der Grundstein für eine neue Mitgliederstruktur des Männer-Turnvereins Jahn von 1895 e.V. Schladen gelegt. Heute, nach mehr als 100 Jahren, überwiegen bei ca. 1100 Mitgliedern die weiblichen Mitglieder.

In der Vorbereitung auf das 25jährige Stiftungsfest tritt der Wunsch nach einem einheitlichen Vereinsabzeichen auf. Die Farben "grün-weiß" werden erstmals in den Annalen am 18.08.1921 erwährt und wohl erst nach 1926 - der Verein wird unter dem Vorsitzenden Heinrich Cassebaum in das Vereinsregister mit dem bis heute beibehaltenen Namen Männer Turnverein "Jahn" von 1895 e.V. eingetragen - wird das heutige Vereinsabzeichen entwickelt; beantragt wurde dies aber schon 1907.

Die bestimmt größte Beteiligung von Wettkämpfern haben die Organisatoren des MTV beim Wettturnen am 04.09.1921 auf dem Schützenplatz zu bewältigen.

556 Wettkämpfer treten zu den turnerischen und leichtathletischen (mit Weitsprung) Disziplinen in ihren jeweiligen Altersklassen an. Allein 66 Läufer nehmen am 3800m langen Geländelauf teil. Da diese "Sportfeste" größtenteils mit einem Kommers beginnen und mit einem Festball schließen und viele auswärtige Wettkämpfer auch daran teilnehmen, somit in Schladen übernachten, sind die Organisatoren vor große Probleme gestellt. Sie werden aber zur Zufriedenheit aller gelöst, da das Schützenhaus, der Ulrische Saal oder Privatquartiere angeboten werden. Wegen der Gastfreundschaft und Gemütlichkeit der Schladener gegenüber anderen Turnern sind der Ort und seine Einwohner weit über den Nordharzer Turngau bekannt.

Im Jahre 1922 legt A. Cassebaum sein Amt als 1. Vorsitzender nieder, und es wird Heinrich Ziegler, ein Mitglied der Gründerversammlung, als Vorsitzender an die Spitze des Vereins gewählt.

1923 findet eine Änderung im Spielbetrieb statt; man gibt das Fußballspielen auf und übernimmt das neu aufkommende Handballspiel in den Spielbetrieb. Da ein Lederball nicht zur Verfügung steht, wird das Training mit einem selbst hergestellten Papierball im Schützenhaus aufgenommen.

 

 


Der Turnbetrieb kann 1925 auf dem Saal des Hotels "Stadt Hannover" nicht mehr in vollem Umfang durchgeführt werden, daher wechselt man auf Vorschlag des Turnbruders Ulrich auf den Saal seines Gasthauses "Zur Krone" (bis 1992 Vereinslokal des MTV).
Weltwirtschaftskrisen und Inflation gehen auch nicht spurlos am MTV vorbei. Die Geldentwertung wird an dem monatlich steigenden Beiträgen ersichtlich. Der Kassenbestand des Vereins wächst auf 35.311.583.659.799,92 Mark, was 35,31 Goldmark entspricht. Drei Zentner Roggenmehl werden dem Verein als sogenannter eiserner Bestand von Max Hüter aus Köthen geschenkt. Die Hauskassiererin erhält vom Verein als Weihnachtsgeschenk 1 Paar Schuhsohlen, die von einem Turnbruder, der Schuhmacher ist, kostenlos angebracht werden.
Trotz aller politischer und finanzieller Wirren entwickelt sich der MTV in einen der führenden Vereine im Nordharzer Turngau. Auf Gauturnfesten sind die Schladener Turner stets stark vertreten und belegen von 1928 bis 1934 immer den 1. Platz im 12-Kampf. Auch die Handballmannschaft findet im Turngau Nordharz keine gleichwertigen Gegner mehr und spielt aus diesem Grunde im Turngau Braunschweig. Auf dem Höhepunkt der Vereinsarbeit wird das Vereinsleben und das Privatleben der Mitglieder erneut durch die politische Lage erschüttert und beeinflusst. Der II. Weltkrieg wirft seine Schatten voraus.
Ab 1933 wird die Eigenständigkeit der Vereine mehr und mehr eingeengt. MTV und SV sollen sich auflösen und sich zu einem Verein zusammenschließen. Im August 1933 wird vom Verein der Deutsche Gruß eingeführt, d.h. die Mitglieder haben sich auf der Straße gegenseitig den Deutschen Gruß zu erweisen. "Der Gruß ist durch gestrecktes Heben des rechten Armes auszuführen, wobei die Fingerspitzen in Augenhöhe sein müssen", erläutert der Vorstand den angeordneten Gruß. Die 1. Vorsitzenden haben sich, in Anlehnung an den Reichsführer, jetzt Vereinsführer zu nennen. Was den Zusammenschluss zwischen SV und MTV betrifft, gibt das Protokoll über die gemeinschaftliche Sitzung der Vereinsvorstände beider Vereine am 07.02.1934 wieder (Auszug aus dem Protokoll):
Die Unterzeichneten, von ihren Vereinen bevollmächtigten Vertreter, sind zu dem Zwecke der Beratung über den Zusammenschluss beider Vereine zusammengekommen und haben sich über folgende Punkte geeinigt: Beide Vereine lösen sich auf und schließen sich zu einem neuen Verein zusammen. Der neue Verein erhält den Namen "Verein für Leibesübungen 1895 e.V. Schladen", mit den Vereinsfarben rot-weiß, entsprechend den Gemeindefarben. Der Verein gehört der DT an. Die einzelnen Fachgruppen bleiben Mitglied ihrer Fachorganisation. Das gesamt Vermögen beider Vereine wird in den neuen Verein eingebracht und geht in diesem auf. Der neue Verein wird in das Vereinsregister eingetragen und es soll versucht werden, diese Eintragung, aufgrund der bestehenden Eintragung des MTV "Jahn", kostenlos zu erwirken. Über die Besetzung des Vereinsführers konnte keine Einigung erzielt werden, darum sollen sich die 1. Vorsitzenden beider Vereine, Turnbruder Bock und Sportfreund Hartmann, über diese Frage innerhalb von 36 Stunden gemeinsam entscheiden. Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben: Heinrich Gütte, Robert Hartmann, Heinrich Cassebaum, Hermann Bothe, Heinrich Ziegler, Otto Willecke, Ferdinand Unverhau, Walter Rose, w. Helbing

Die Aussprache zwischen den 1. Vorsitzenden hat nicht stattgefunden. Die Verhandlungen werden abgebrochen und die beiden Vereine bleiben vorläufig bestehen.
Durch die Gründung des Reichsbundes für Leibesübungen durch den Reichssportführer - eine politisch gezielte Aktion im Rahmen der Zentralisierung von Vereinen und Verbänden - wird die Deutsche Turnerschaft und ihre Vereine 1935 darin aufgesogen. Unter diesem politischem Zwang lösen sich SV und MTV auf. Es kommt am 29.11.1936 zum angeordneten Zusammenschluss unter Bürgermeister Ewe. Der so neu geschaffene Verein erhält den Namen "Gemeinschaft für Leibesübungen e.V. Schladen". Die Vereinsfarben sind die der Gemeinde, also "rot-weiß". Das Wappen ist der Silberlöwe (Schladener Löwe) auf rotem Grund. Der Politisierung des Sportbetriebs folgen sinkende Mitgliedszahlen; für Eigeninitiative im Sinne des Sporttreibens ist kein Platz mehr. Der Sportbetrieb kommt fast zum Erliegen.
Der II. Weltkrieg beginnt und wieder kehren einige Vereinsmitglieder nicht zurück.

Nach 1945 beginnt ein Neuanfang. Im Schützenhaus wird unter sehr starker Beteiligung der "Verein für Volkssport" gegründet. Hermann Bothe wird zum Vorsitzenden gewählt. Da man in vielen Punkten zwischen Fußballern und Turnern keine Übereinstimmung erzielen kann, entschließt man sich, sich zu trennen. Mit Genehmigung der Militärregierung (31.03.1949) bestehen SV und MTV wieder als eigenständige Vereine.
Boxen, Handball, Leichtathletik, Turnen, Wandern und Wintersport sind die ersten Sparten im MTV. Die "Werla-Kampfbahn" (heute SV-Sportplatz) erlebt ihren Höhepunkt durch die Oberligaspiele im Feldhandball. Einige Leichtathleten nehmen an den Landesmeisterschaften teil und der 16. internationale Brockenlauf am 23.09.1956 wird besucht.

 

Ein Paar Nagelschuhe werden dem Langläufer K.H. Jäger (s. Foto) für besondere Leistungen überreicht.

 

 

Über 120 Kinder betreut "Tante Gretel" Kapahnke. Die Erschließung des Hammelkrings als Neubaugebiet, der Erwerb des A-Platzes der Werla-Kampfbahn durch den SV, der Wohnungswechsel besonders aktiver Übungsleiter (Forch und Starkck) und die folglich nicht mehr ordnungsgemäße Betreuung, die unhygienischen Bedingungen im Schützenhaus und auf dem Saal des Gasthofes "Zur Krone", wo außerdem durch Schützenfest, Karnevall oder andere Veranstaltungen monatelang der Übungsbetrieb stark behindert werden als auch die Meinung, dass die Aktiven aller Sparten immer und unbedingt am Turnen teilnehmen müssten (1956 sagte man zum aufkommenden Basketballspiel, dass es zu einer Zersplitterung im Verein führen wird) tragen sicherlich da zu bei, dass ein Mitglied schwund eintritt.

Aber Schauturnen, Weihnachtsvergnügen mit Theater und Turnvorführungen im Gasthaus "Zur Krone" (wer erinnert sich noch an die Kälte im Saal und das Heizen der Kanonenöfen - oft bis zur Rotglut?), Jugendlager und die Skiwoche über Silvester in Hohegeiß helfen mit, den Rückgang zu stoppen.

Mit der Eröffnung des Schulsportplatzes als auch die Einweihung der ersten Turnhalle 1961 und das Hereinwachsen eigener junger Aktiver als Übungsleiter, beginnt nochmals ein regelrechter Aufschwung, der durch die Fertigstellung der Großhalle nochmals auf die Mitgliedsentwicklung positiv auswirkt. Auch äußere , nicht vom Verein geschaffene Bedingungen, sind mit ausschlaggebend: Durch Arbeitszeitverringerung wird mehr Freizeit geschaffen; das Fernsehen zeigt die verschiedensten Sportarten - man will es auch versuchen; der Gesundheitswert wird erkannt - Trimm-Aktionen, Laufen ohne zu schnaufen usw. tragen mit dazu bei. So ist es verständlich, dass durch engagierte Mitglieder neue Sparten und differenziertere Übungsgruppen gebildet werden. Zum Handball entstehen Schüler- und Jugendmannschaften beiderlei Geschlechts, ebenfalls im Prellball; eine Judoabteilung wird gegründet, ebenso Basketball, Mutter und Kind-Turnen eingeführt, Frauengymnastik nimmt gewaltigen Aufschwung, Kinderturnen muss nach Alter und Leistung aufgeteilt werden, Rennrodeln wird betrieben etc..

 

 

Prellballer des MTV:
von hinten links: Leo Becke, Joachim Schwetge, Erhard Plapper, Winfried Geisler, Matthias Giffhorn, Ralph-Peter Rösner, Reinhard Voß, Harald Voß Thomas Kurtz, Helmut Milosch, Thomas Trapp, Sven Brux, Marco Peichl, Cort Breustedt, Andres Becke. (September 1988)

 

Den vermehrten Übungsbetrieb durch ehrenamtliche Tätigkeit aufrecht zuerhalten oder gar noch

zu vermehren, stellt den Vorstand vor Probleme. Sie werden aber gelöst und ab 1974 wird Edith

Milosch als hauptamtliche Übungsleiterin eingestellt. Diese Entscheidung hat sich bis heute

bewährt und Hindernisse, die bei Umbesetzungen entstehen, überwindet der Vorstand mit seinen aufopferungsvollen Helfern zur Zufriedenheit aller Betroffenen.
Besonders der Transport von Kindern und Jugendlichen zu auswärtigen Veranstaltungen (vor und zwischen den Weltkriegen fuhr man schon frühmorgens mit der Bahn los, oder bat Landwirte, einen Trecker zur Verfügung zu stellen bzw. man fuhr mit "Breustedts Lastkraftwagen") war für die Übungsleiter oft schwierig. Engagierte Eltern und weitere Interessierte stellen sich zur Verfügung. Auch der finanzielle Aspekt spielt jetzt bei der Problematik mit. Der Wunsch, der schon in den 80er Jahren geäußert wird, einen Vereinsbus anzuschaffen, wird Ende 1983 realisiert, dank auch der weiteren Unterstützung durch die Firma Mrozek.
Als Sprachrohr nach außen, neben den Presseberichten in den verschiedenen Zeitungen, präsentiert sich der Verein ab 1987 halbjährlich in seiner Vereinszeitung "Fabi-Jahn". Eine große Resonanz nach außen finden auch die von verschiedenen Abteilungen vorgeführten Darbietungen bei vereinsübergreifenden Veranstaltungen der Samtgemeinde. Aber auch im gesellschaftlichkulturellen Bereich hat der MTV über die Grenzen Schladens hinaus immer Initiative gezeigt. Weihnachtsvergnügen und Mettwurstessen sorgen jährlich für ein volles Dorfgemeinschaftshaus, wobei ersteres durch Rückgang von Teilnehmern erste einmal eingestellt wurde.
Klubraum, Aufenthaltsraum - nicht verbunden und zu verwechseln mit einem Vereinslokal - dort wo man besonders mit Kindern und Jugendlichen nach dem Training noch Absprachen treffen oder Besprechungen durchführen kann, wird immer wieder auf Sitzungen angesprochen. Erst nachdem die Tennisabteilung ihr Heim erschaffen hat, spricht man von einem Vereinsheim in Nähe des Sportplatzes und der Turnhalle. Die Mitglieder geben dem Vorstand den Auftrag, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Ein Weg, der gespickt ist mit Hürden, Angeln und Ösen, Aufs und Abs und durch viele Instanzen.
Aber endlich: 1991 wird der Bau eines Vereinsheimes genehmigt und 1992 trifft eine außerordentliche Mitgliederversammlung die Entscheidung, in möglichst viel Eigenarbeit ein Vereinsheim mit Übungsmöglichkeiten für kleine Sportgruppen zu bauen. Nach fünfjähriger Bautätigkeit konnte durch die Arbeit einer Gruppe von nimmermüden und unentgeltlich arbeitenden Vereinsmitgliedern das neue Vereinsheim unter dem Namen "Haus des Sports und der Begegnung" des MTV Jahn Schladen feierlich eingeweiht werden.
Der MTV handelt noch heute im Sinne Turnvater Jahns. Er hat immer noch den Breitensport auf seine Fahne geschrieben und setzt sich für die Leibesertüchtigung auf vielen Gebieten ein. So wird beiden Geschlechtern eine breite Palette im sportlichen Bereich angeboten, nämlich:
Aerobic - Step-Aerobic -Badminton - Basketball - Jazzgymnastik - Gymnastik für Frauen allgemein -Gymnastik für Ältere - Handball - JuJutsu - Leichtathletik - Lauftreff - Prellball - Turnen allgemein - Leistungsturnen - Mutter Kind Turnen - Volleyball - Tennis - Tanzen - Triathlon und Trimm Dich Gruppe.

 

Tanzsportler des MTV von 1994

 

Betreut werden die Mitglieder von erfahrenen Übungsleitern. Nichtmitgliedern, die an der Arbeit des MTV Interesse haben, können in sogenannten Schnupperstunden kostenlos mehrmals am Übungsbetrieb teilnehmen, um dann aber Mitglied im Verein zu werden, denn jedes Mitglied trägt zum Überleben und zur finanziellen Leistungsfähigkeit des Vereins bei. Da die meisten Angebote vorzugsweise in der Halle stattfinden, möchten wir an dieser Stelle sowohl der Gemeinde Schladen und dem Landkreis Wolfenbüttel Dank aussprechen, dass sie uns bei der Benutzung der öffentlichen Sportanlagen immer ihre Unterstützung gewähren. Da selbst ein Dorfverein wie der MTV auf Sponsoren angewiesen ist, danken wir allen Geschäfts- und Privatleuten für ihre Werbung sowie Spenden.

 

Verbandsliga-Handballer des MTV von 1994


Nun ist der MTV auch weit über den Grenzen Deutschlands bekannt. Die Prellballabteilung des MTV Jahn Schladen nutzte einen Aufruf der Prellball-Information anlässlich eines Aufenthaltes der Agentinischen Prellball-Nationalmannschaft in Deutschland zu einem Länderkampf, um sofort Kontakte zu knüpfen. Schnell wurden 1984 vom Abteilungsleiter Helmut Milosch Briefe geschrieben und dank der unkomplizierten Hilfe der Verantwortlichen in Schladen (Gemeinde, Politiker, der CDU und SPD, Schule und befreundeten Vereine) wurde ein Wettkampf angeboten. Nur kurze Zeit später erhielten die MTVer die Zusage und bescherten den argentinischen Freunden einen unvergesslichen Aufenthalt, der prompt eine Gegeneinladung nach Argentinien brachte.

 

Freundschaftsbesuch der Argentinier in Schladen

Dass es von den Schladenern um Helmut Milosch ernst gemeint war mit der Freundschaft, bewies die 16köpfige Delegation, die 1986 nach Buenos Aires reiste. Weitere Besuche und Gegenbesuche kleinerer Gruppen folgten in den nächsten Jahren. Besonders Winfried Geisler pflegte durch mehrere Besuche in Argentinien intensiv die freundschaftliche Verbindung.

Lieber Leser, mit dieser Chronik, die natürlich bei einer 106jährigen Geschichte des Vereines nicht vollständig sein kann, hofft der MTV, Ihnen einen kleinen Einblick in unser Vereinsleben geschafft zu haben.

Der MTV hofft, dass sich auch in der Zukunft engagierte Mitstreiter finden werden, die ehrenamtlich Vereinsarbeit mitgestalten. Dann könnten wir zuversichtlich in die Zukunft schauen.


Verfasser: Wilfried Thiele-Hinz/Johannes Wirries
Überarbeitung: Bernward Köbbel