Wettkampfsport statt "Maulwurf-Ballspiel"

Wettkampfsport statt "Maulwurf-Ballspiel"

Prellball ist durch die Bundesligamannschaft des MTV Jahn Schladen und den weltweit einzigen Ballhersteller in Wolfenbüttel fest verankert

Von Daniel und Christian Becke

Prellball gehört nicht zu den Sportarten, in deren Spielprinzip Unmengen von Anglizismen verankert sind. Dennoch gibt es Begriffe, die der Laie möglicherweise nicht einzuordnen weiß. Deshalb bringen wir ihnen die Sportart und ihre Geschichte etwas näher.

Prellball gehört zu den sogenannten Rückschlagspielen. Es ist also eine Ballsportart, bei der sich zwei Parteien einen Ball gegenseitig so zuspielen, dass die jeweils andere bei der Annahme oder Rückgabe einen Fehler macht.

Entstanden ist die Sportart in Deutschland, als Turner den Ball zur Auflockerung ihrer Übungsstunden nutzten. Deshalb zählt man Prellball auch zu den Turnspielen. Erste Hinweise auf ein Spielen über eine umgedrehte Turnbank datieren aus den Jahren 1925/1926. Mit der Einführung amtlicher Spielregeln im Jahr 1945 entwickelte sich der Wettkampfgedanke und die einst etwas herablassende Bemerkung vom "Maulwurf-Ballspiel" verstummte.

Deutsche Meisterschaften der Erwachsenen werden seit 1964 ausgetragen. Drei Jahre später wurde die Bundesliga eingeführt. Dort spielt seit drei Jahren auch die Mannschaft des MTV Jahn Schladen, dessen Prellballabteilung 1965 gegründet wurde.

Maßgeblichen Anteil am Aufschwung und Erfolg hatte Gründungsmitglied Helmut Milosch, der 24 Jahre als Abteilungsleiter und Trainer tätig war. In seiner Zeit wurden die ersten vier der bis heute insgesamt zehn Deutschen Jugendmeisterschaften errungen. Auch wurden in den 80-Jahren die Kontakte mit den argentinischen Prellballern geknüpft, die bis heute Bestand haben.

Das 16 mal 8 Meter große Feld wird durch eine 40 cm hohe Rundleine oder ein 5 cm breites Netz in zwei Hälften geteilt. In jeder Mannschaft müssen mindestens drei Spieler und dürfen maximal vier Spieler auf dem Platz stehen. Die Spieldauer beträgt zweimal zehn Minuten.

Der Spielball muss mit der Faust oder dem Unterarm so auf den Boden der eigenen Spielhälfte geprellt werden, dass er anschließend über die Leine in das gegnerische Spielfeld gelangt. Dabei versucht die angreifende Mannschaft, den Ball so zu spielen, dass das gegnerische Team einen Fehler bei der Annahme begeht.

Nach jedem Spielerkontakt darf der Ball innerhalb einer Mannschaft stets nur einmal den Boden berühren. Außerdem darf jeder Spieler des Teams den Ball pro Angriff nur einmal prellen. Spätestens mit der dritten Ballberührung muss der Ball wieder in die gegnerische Hälfte gespielt werden.

Weder der Ball noch die Spieler dürfen die Leine berühren. Bei jedem Fehler einer Mannschaft – dazu zählen Aus, Körperkontakt mit dem Ball oder technische Fehler, wird der anderen ein Punkt gutgeschrieben. Angabe hat diejenige Mannschaft, die zuletzt einen Fehler begangen hat 

Donnerstag, 04.11.2010 (Newsclick.de) 
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